Das blockierte Iliosakralgelenk

ISG-Syndrom

Das Iliosakralgelenk-Syndrom (ISG-Syndrom) ist eine häufige Ursache für tief sitzende Rückenschmerzen im Bereich des unteren Rückens und des Gesäßes. Die Beschwerden entstehen durch eine Funktionsstörung oder Reizung des Iliosakralgelenks, das das Kreuzbein mit den Beckenschaufeln verbindet. Ursachen sind oft Fehlbelastungen, Überlastungen oder degenerative Veränderungen. Die Diagnose erfolgt klinisch sowie durch bildgebende Verfahren. In den meisten Fällen können die Beschwerden konservativ behandelt werden, in seltenen Fällen ist ein operativer Eingriff erforderlich.

Überblick

Das Iliosakralgelenk (ISG) bildet die Verbindung zwischen Kreuzbein (Os sacrum) und den Beckenschaufeln (Os ilium). Es spielt eine zentrale Rolle bei der Kraftübertragung vom Oberkörper auf die Beine. Obwohl das ISG nur eine geringe Beweglichkeit aufweist, ist es hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt. Kommt es zu einer Reizung oder Blockade des Gelenks, spricht man vom ISG-Syndrom. Diese Funktionsstörung kann akute oder chronische Schmerzen im unteren Rücken verursachen und wird häufig mit anderen Rückenerkrankungen verwechselt.

Symptome

Das ISG-Syndrom äußert sich typischerweise durch tiefsitzende Rückenschmerzen, die einseitig oder beidseitig auftreten können. Der Schmerz strahlt häufig in das Gesäß, die Leiste oder die Rückseite des Oberschenkels aus. Die Beschwerden verstärken sich oft bei längerem Sitzen, beim Drehen des Rumpfes, beim Treppensteigen oder beim Aufstehen aus einer sitzenden Position. Druckempfindlichkeit über dem betroffenen Gelenk ist ein weiteres häufiges Symptom. In schweren Fällen kann es zu ausstrahlenden Schmerzen bis ins Bein kommen, ohne dass eine Nervenwurzel betroffen ist.

Diagnostik

Die Diagnose des ISG-Syndroms basiert auf einer gründlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung. Spezifische Provokationstests, wie der Patrick-Test (FABER-Test) oder der Kompressionstest, helfen dabei, das ISG als Schmerzursache zu identifizieren. Bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT oder MRT dienen vor allem dazu, andere Erkrankungen der Wirbelsäule auszuschließen und degenerative Veränderungen des Gelenks sichtbar zu machen. Eine diagnostische Injektion mit einem Lokalanästhetikum direkt in das ISG kann zur Bestätigung der Diagnose beitragen: Lässt der Schmerz nach der Injektion deutlich nach, gilt das ISG-Syndrom als gesichert.

Therapie

In den allermeisten Fällen wird das ISG-Syndrom erfolgreich mit konservativen Maßnahmen behandelt. Dazu gehören physio- und manualtherapeutische Techniken zur Mobilisation des Gelenks sowie gezielte Übungen zur Kräftigung der stabilisierenden Muskulatur. Schmerztherapeutische Maßnahmen umfassen die Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten, Muskelrelaxantien und lokalen Injektionen mit Kortison oder Hyaluronsäure.

Falls die konservative Therapie nicht ausreicht, können minimalinvasive Verfahren wie die Radiofrequenzdenervation angewendet werden. Dabei werden die schmerzleitenden Nervenfasern gezielt verödet, um eine langfristige Schmerzlinderung zu erzielen. In sehr seltenen und schweren Fällen kann eine operative Stabilisierung (ISG-Fusion) notwendig werden, bei der das Gelenk durch Schrauben oder Implantate dauerhaft fixiert wird.